Sternwarte Stonehenge?

Was die Vorgeschichte betrifft, so tappen die Archäologen sehr oft im Dunkeln mit Erklärungen. Möglicherweise werden sich in 3000 Jahren unsere Nachfahren auch fragen, was der Sinn und Zweck von Bauwerken wie Atomkraftwerken ist. Es hat sich dann möglicherweise überliefert, dass man diese Monumente irgendwie schützen muss, damit keine Unbefugten die Bauwerke betreten. Vielleicht wissen die Leute aber gar nicht, wofür das Gebäude errichtet wurde und warum man es nicht betreten darf.

Die beliebteste und bekannteste Theorie über den Sinn von Stonehenge (und auch anderen Steindenkmälern) möchte ich als die der "Sonnen- und Monduhr", des "astronomischen Observatoriums zur Vorausberechnung von Sonnen- und Mondfinsternissen" oder des vorgeschichtlichen "Computers" bezeichnen.

 

 

Hier ein Modell der Anhänger der Theorie über die

Vorausberechnungen von Sonnen- und Mondfinsternissen durch Stonehenge

 

Eine meiner Bekannten, die Uhrmachermeisterin ist, erzählte mir, dass dieser Zusammenhang sogar in einem Buch über die Geschichte von Uhren hergestellt wird.

 

 

Diese Theorie wurde bezüglich Stonehenge im Jahr 1901 aufgeworfen von dem englischen königlichen Astronomen Sir Norman Lockyer. Er vermaß die Steine und behauptete, dass am Tag der Sommersonnenwende die Sonne vom in der Mitte des Bauwerks gelegenen Altarstein aus gesehen fast genau über dem Heelstone (Fersenstein) aufginge. Der Altarstein scheint jedoch nicht, wie man annahm, ein Altar zu sein, sondern einfach ein umgefallener Stein, der nur mehr zufällig an diesem Punkt liegt.

Auch irrte sich Lockyer in verschieden anderen Dingen: Er errechnete, dass zur Zeit der Druiden, die er für die Erbauer von Stonehenge hielt, die Sonne zur Sonnenwende genau über dem Heelstone (Fersenstein) aufgegangen sei und einen Schatten auf den Altarstein geworfen hätte. Da sich der Winkel zw. der Bahnebene der Erde und dem Äquator mit der Zeit ändert, habe sich dieses Phänomen um einige Grade verschoben, so dass man diesen Effekt heute nicht mehr hat. Er datierte den Bau von Stonehenge aufgrund dieser Berechnungen auf zw. 1900 und 1500 v. C., was ja nur teilweise richtig ist.

Heute geht die Sonne am 21. Juni links vom Heelstone auf, vom Altarstein aus gesehen. Früher ging sie noch weiter links auf! (Grund s.o.: die Erdachse verändert mit der Zeit ihre Lage) Erst ungefähr im Jahr 3000 n. C. wird die Sonne am 21. Juni direkt über dem Heelstone aufgehen, und das werden Sie und ich leider nicht mehr erleben. Das bedeutet, dass die Sonne noch nie an Sonnenwend' direkt über dem Fersenstein aufging. An anderer Stelle (Kapitel "Wie?") haben wir erfahren, dass der Heelstone ehemals ein Gegenüber hatte. Als dieser Zwillingsstein verschwand, neigte sich der Heelstone wahrscheinlich in die jetzige Position.

Der Altarstein lag vermutlich nicht immer in dieser Position, er ist ein umgefallener Stein, auf den wahrscheinlich auch nie der erwähnte Schatten fiel, weil zwischen ihm und dem Fersenstein ein großer Sarsenstein stand.

Die These, dass Stonehenge irgend etwas mit Astronomie zu tun hat wurde allerdings schon früher angenommen.

Schon Erzdruide William Chyndonax Stukeley schreibt 1740, dass die Erbauer die Hauptachse der Anlage auf den Sommersonnenwenden-Stand ausgerichtet hätten

1771 beschäftigte sich der Forscher Dr. John Smith (der Erfinder der Pockenimpfung) mit Stonehenge und stellte das gleiche Phänomen fest. Damals war man aber der Überzeugung, Stonehenge sei von den Druiden der Kelten gebaut worden, die sich nachweislich mit Astronomie und Astrologie beschäftigten.

Diese Theorien wurden 1963 von Gerald S. Hawkins, Professor für Astronomie an der Universität Boston, aufgegriffen. Er schrieb ein Buch mit dem Titel "Stonehenge decoded", welches in der Fachwelt viel Aufsehen und Widerspruch erregte. Die grundlegenden Aussagen zur astronomischen Bedeutung von Stonehenge und auch anderen Megalith-Bauwerken sind:

  •       die Ausrichtung der Anlage von Stonehenge auf die Sonnenwenden lassen die Erstellung eines einfachen Kalenders zu, an Hand dessen man die Zeiten für Feldarbeiten, Feste und Kulthandlungen festlegen kann.

  •       Möglicherweise interessierten sich die Menschen damals nicht so sehr für die Bewegungen der Sonne, sondern für die des Mondes. Abgesehen davon, dass der Mond während eines Mondmonats in einem eigenen Rhythmus auf- und untergeht, ist er noch einem anderen Zeitrhythmus unterworfen, der 18,61 Jahre beträgt. Die Astronomen konstruieren einen Zusammenhang von der Anlage bestimmter Pfostenlöcher in der Nähe des Eingangs von Stonehenge zur nördlichsten Stellung des Mondes alle 18,61 Jahre. Diese Annahme wird gestützt durch eine Sage des griechischen Geschichtsschreibers Diodorus um das 8.Jh. v. C. von den Hyperboreern. Eine Geschichte von einem runden Heiligtum im Land der Kelten auf einer Insel. In dieser Geschichte wird berichtet, dass Gott alle 19 Jahre, wenn die Sterne ihren Zyklus vollendet haben, auf die besagte Insel in das Heiligtum zurückkehrt. Für die Theorie der Mondbeobachtungen spricht auch, dass erst die Ägypter etwas ähnliches wie ein Sonnenjahr festlegten. In früheren Zeiten wurden in erster Linie die Mondphasen beobachtet.

 

 

  •       Angeblich spielt auch die Zahl der Aubrey-Löcher (56) und die Zahl der bluestones in der Mitte (19), sowie die Anzahl der Pfeiler des Hauptringes aus Sarsenstein (30) eine astronomische Rolle. 56 entspricht 3 Mondzyklen, 19 ist die oben erwähnte Zahl von Jahren für einen größeren Mondzyklus und 30 sollen die 30 Jahre der nach einem Kalender der Kelten, dem sog. Coligny-Kalender, festgelegten Zeitalter von jeweils 30 Jahren entsprechen. (die Archäologen sind sich im übrigen nicht einig über die ursprüngliche wirkliche Anzahl der Steine und Löcher! In jedem Buch werden andere Zahlen angegeben. Es ist in der Tat so, dass für die Steine immer genau die Anzahl vom Forscher angegeben wird, die seine jeweilige Theorie stützt! Wenn ein Forscher keine eigene Theorie hat, schreibt er unhinterfragt von anderen Forschern ab. Deswegen halten sich krause Theorien nachhaltig. Und Vorsicht Herr Hawkins: die Aubrey-Löcher wurden kurz nach Aushub schon wieder zugeschüttet!))

  •     Es wurden andere prähistorische Bauwerke dahingehend untersucht, z. B. 3 große Dolmenanlagen in Irland, deren Alter mit Hilfe der Radiokarbon-Methode auf 3200 v. C. festgelegt wurde, und die Wissenschaftler meinten, eine astronomische Auffälligkeit entdecken zu können. Beim größten Grab, dem von New Grange, fallen die ersten Strahlen der aufgehenden Sonne am Tag der Wintersonnenwende (21.Dezember) durch einen absichtlich angelegten Schlitz im Dach der Grabkammer und erhellen diese 17 min. lang. (aus Ellis - Die Druiden, siehe Bücherliste). Der Zahl 17 kommt in der irischen Mythologie eine besondere Bedeutung zu, weswegen ihr auch hier in diesem Zusammenhang Gewicht gegeben wird.

New Grange

 

Unten sehen Sie den Denghoog auf Sylt, eine Dolmenanlage.

 

 

Denghoog von außen, Foto: B. Licht

 

Ein Zitat von Hubertus Jessel dazu:

"Am 21. Dezember 1988 hatte ich das Glück, dass der Himmel genau zur rechten Zeit wolkenfrei war. Mittags, nach wahrer Ortszeit um 12.26 mitteleuropäischer Zeit (MEZ), zeigte mein Schatten: Die Sonne steht im Süden, 12 Grad hoch, und sie schickt ihr Licht in den Gang hinein. Was die Alten erzählten fand ich bestätigt, als ich wieder in die Grabkammer hinabstieg. Das Licht lag hell auf dem Spiegelstein, wurde von dort reflektiert und erhellte die ganze Kammer. Bis tief hinunter auf den Boden musste ich gehen, um das direkte Licht der Sonne aus der Sonnenscheibe einzufangen - und ich musste mich beeilen, denn das Licht wanderte so schnell, wie die Uhrzeit über Mittag hinausging.

Die Sonne des Hünen: Es war ein bewegender Augenblick, und ich zitierte nach Goethe: "Die unbegreiflich hohen Werke sind herrlich wie am ersten Tag.""

 

Denghoog am Mittag des 21. Dezember von innen nach außen geblickt,

das Licht fällt auf den Spiegelstein und erhellt das Grab

 

Es ist typisch für Forscher, dass sie bei der Enträtselung von Problemen zunächst einmal von ihrem kleinen Teller ausgehen, über dessen Rand sie nur schwer herausblicken können. So wurden z.B. bei der Erforschung der Pyramiden von dem schottischen Astronomen Smyth, nachdem er 1865 die Cheops-Pyramide 4 Monate mit damaligen Präzisionsgeräten vermessen hatte, folgende Erkenntnisse verfasst:

Die Länge der Grundfläche der Pyramide sei 36 524 "Pyramidenzoll" (ein von ihm selbst erfundenes Maß!) lang, also 100 mal so lang wie das Jahr Tage hat.

Die Höhe der Pyramide sei ein 270 000endster Teil des Erdumfangs und der milliardste Teil der Entfernung zur Sonne, der Rauminhalt sei ein Billionstel Teil der Erdmasse.

Zuletzt stellte er fest, dass bestimmte Längen, z.B. die des Sarkophags, wenn man noch einige Zahlenspiele damit macht, sie mit dem spezifischen Gewicht der Erde multipliziert usw., den Vorläufer des irrationalen englischen Maßsystems bilden. Danach behauptete Smyth, die Pyramiden seien von einem Priesterkönig des Alten Testaments gebaut worden, die Maße und Gewichte der Pyramide (die er selbst bestimmt hatte) seien göttlicher Natur und damit sei das Dezimalsystem als "gottlos" abzulehnen, weil es aus der Zeit der französischen Revolution stammt.

Sie mögen lächeln bei diesen Theorien. Heute weiß man, dass die Erbauer der Pyramiden über die Kugelgestalt der Erde noch nichts wussten. Sie konnten weder den Umfang noch das spezifische Gewicht kennen (das hat erst Archimedes 1000 Jahre nach Cheops herausgefunden).

Das Weltbild der frühen Ägypter: Sie hielten die Erde für einen Kasten, auf dessen Boden die Menschen leben.

Kommen wir zurück zu Stonehenge. All diese Zahlenspiele und die Vermutungen über die Leistungen der Menschen vor etwa 3 1/2 tausend Jahren in unseren Breitengraden auf dem Gebiet der Astronomie sind m. E. Hirngespinste.

 

 

Ich, z.B., habe mir ein einfaches neues Zeitrechnungssystem ausgedacht. Die passende Uhr dazu habe ich schon in Auftrag gegeben. Der Tag hat bei mir in Zukunft 10 Stunden, die jeweils in 100 Minuten zu je 100 Sekunden eingeteilt sind. Die Einheiten heißen bei mir auch nicht mehr Tage, Stunden, Minuten und Sekunden, sondern Lichts, Dezi-Lichts, Milli-Lichts und Mikro-Lichts. Ich habe sie nach meinem Nachnamen benannt. Ich finde, das neue System könnte vieles vereinfachen.

Ich wollte Ihnen durch diesen Scherz verdeutlichen, dass die Zeitrechnung willkürlich ist. Ich vermute, dass die Zahl der Aubrey-Löcher und der Steine nicht das geringste mit der Bestimmung von Mondbewegungen zu tun hat. Ebenso ist es absurd zu behaupten, die 17-minütige Erhellung der Grabkammer in New Grange hätte irgend etwas mit einer irischen mystischen Zahl 17 zu tun.

Seit wann gibt es Minuten? Ich habe für Sie nachgeschlagen: Uhren, in der Form, wie wir sie kennen, mit Minuten, gab es in Europa erst seit etwa 1200 n. C. Früher hatte man Zeiteinteilungen nur in Stunden mit Hilfe von Wasseruhren in Ägypten, Sanduhren für die Seefahrt (Glasen) und natürlich Sonnenuhren. Diese Stunden entsprachen jedoch keineswegs den uns bekannten Stunden.

Bis in die frühe Neuzeit hinein richtete sich die Erfahrung der Zeit nach unmittelbar beobachtbaren Naturerscheinungen, insbesondere der Bewegung der Sonne in den Jahreszeiten.

Erst seit dem 14. und 15. Jahrhundert setzte sich die Zeitmessung mit Kirchturmuhren durch. Und erst seit dem 16. bis 18. Jahrhundert gibt es eine definierte von der Naturerfahrung losgelöste Zeitmessung in Stunden, Minuten und Sekunden, die dem Leben den schnellen Rhythmus verleiht, den wir gewöhnt sind.

Dem Diktat der Uhrzeit sind wir erst seit etwa dem Jahr 1800 unterworfen, also ca. 4500 Jahre nachdem die Erbauer der Megalithbauwerke lebten. Gesellschaftliche Umbrüche, die beginnende Industrialisierung machten die exakte Zeitmessung vermeintlich notwendig. Es ist daher Vorsicht geboten, unsere Zeitvorstellungen einfach auf Kulturen zu übertragen, die so lange vor uns unsere Länder bewohnten.

Wir wissen heute nicht einmal, ob die Menschen der neolithischen Welt überhaupt zählen konnten. (Die Yequana-Indianer in Zentral-Venezuela, die Mitte der 70er Jahre von der Ethnologin Jean Liedloff besucht und erforscht wurden, können nur bis 2 zählen, alles andere ist "viele").

Vielleicht wurden die Anzahlen der Steine und Löcher aus ästhetischen Gründen, die für uns heute nicht mehr nachvollziehbar sind, so gewählt.

Zudem ist Zeitrechnung nicht nur willkürlich, sondern auch relativ.

Die Erbauer von Stonehenge wurden nicht so alt wie wir. Ich bin sicher, dass wir eine andere Einstellung zur Zeitlichkeit haben, je nachdem, wie hoch unsere durchschnittliche Lebenserwartung ist. Meiner Auffassung nach war es für die Erbauer von Stonehenge nicht möglich, über einen Zeitraum von 19 Jahren die Mondbewegungen zu studieren und gefundene Gesetzmäßigkeiten in einem Tempelbauwerk zu berücksichtigen. Auch die Theorie, dass es sich bei Stonehenge um eine Art "Computer" handelt, mit dem man die künftigen Mond- und Sonnenfinsternisse vorhersagen kann, erscheint mir absurd.

Für mich sind diese Theorien die Kehrseite des an anderer Stelle erwähnten prähistorischen Minderwertigkeitskomplexes, den wir Nordwesteuropäer gegenüber den Hochkulturen des Mittelmeerraumes und des Nahen Ostens haben.

Ich möchte die Theorien als prähistorischen Größenwahn bezeichnen, was meint, dass man unseren Vorfahren geradezu unglaubliches Wissen und Weisheit zuschreibt.

Eine weitere Tatsache, die gegen die Theorie von Stonehenge als Sonnen-/Mondobservatorium, Kalender etc. spricht, ist:

Stonehenge wurde in mehreren Phasen wahrscheinlich von drei verschiedenen Kulturen erbaut. Der Heelstone, der als Beobachtungsstein für Sonnenwenden angesehen wird, wurde bereits von der ersten Gruppe Erbauer, der Windmill Hill Kultur, errichtet und stand zunächst in keinem Verhältnis zu den späteren Steinbauten.

Der Slaughterstone und sein Gegenüber, bzw. seine zwei Mitsteine (die eine Art Eingangstor bildeten) sowie die vier Stationssteine, die bei der Sonnenbeobachtung eine Rolle spielen sollen, wurden erst etwa 1000 Jahre nach (!!) dem Heelstone errichtet. Und wahrscheinlich wurde die Sichtachse vom Zentrum von Stonehenge oder von den Stationssteinen auf den Heelstone durch andere Steinbauten innerhalb des Gebäudes verstellt.

Geht es bei dem Bauwerk Stonehenge um eine Ausrichtung auf bestimmte Sichtachsen, die man für Sonnen-/Mondobservation benötigt, änderten sich diese bei jedem neuen "Anbau". Durch das Umstellen oder das Errichten von Steinen erhielt der Heelstone eine jeweils neue Perspektive.

Wir können auch nicht davon ausgehen, dass die drei Erbauergruppen die gleichen religiösen Vorstellungen hatten. Die Windmill-Hill Gruppe z.B. bestattete Tote in Massengräbern, die Glockenbecher-Kultur und die Wessex-Kultur in Einzelgräbern.

Aus der Bestattung der Toten in Massengräbern schließen Archäologen, dass diese Kulturen keine Hierarchien im Zusammenleben kannten. Es wurden von den Windmill-Hill-Leuten keine auf besondere Art Bestatteten gefunden, so deutet man, dass es keine direkten Anführer/Häuptlinge, keine "privilegiertere Kaste" dieses Volkes gab. Auch nimmt man an, dass für diese Kultur das funktionierende Gemeinwesen wichtiger war als der persönliche Reichtum Einzelner.

Ebenfalls nicht bekannt ist, wie die verschiedenen Gruppen von Einwanderern - die Windmill Hill Leute, die Glockenbecher-Kultur und die Wessex-Kultur - , die wahrscheinlich über verschiedene Fertigkeiten und Kenntnisse im Bauen sowie über andere gesellschaftliche Regeln verfügten, miteinander auskamen.

Übernahmen die Jungsteinzeitler der Windmill Hill Kultur z.B. Gewohnheiten, handwerkliche Fertigkeiten, landwirtschaftliches Wissen von den späteren Einwanderern?

Neuere archäologische und ethnologische Forschungen stellten fest, dass Gruppen von Ureinwohnern einer Gegend mit Einwanderern aus "höherentwickelten" Kulturen oft Jahrhunderte lang nebeneinander in friedlicher Koexistenz lebten, ohne sich gegenseitig in ihren Strukturen zu verändern. So übernahmen z.B. die Germanen in Rheinland-Pfalz und Hessen kaum Angewohnheiten, Kenntnisse, Fertigkeiten von der Hochkultur der Römer. Sie trieben nur Handel mit den Römern und "kauften" ihnen Produkte aus dem Mittelmeerraum ab.

Die Windmill Hill Leute lebten wahrscheinlich in matriarchalen Strukturen, während bei den Wessex-Leuten Frauen eine untergeordnete Rolle spielten und als "Handelware" eingesetzt wurden.

So ist kaum davon auszugehen, dass die unterschiedlichen Erbauergruppen von Stonehenge auch den gleichen Sinn in das Bauwerk legten.

Die einzige Theorie, die sich anscheinend halten lässt, ist die über die Vorstellung eines einfachen Sonnenkultes. Diese Theorie wird genährt durch die Untersuchung vieler anderer Megalith-Bauwerke, z.B. der Steinreihen von Carnac, die ebenfalls die Ausrichtung auf die Sonnenwenden haben.

"Bodenständige" Archäologen stellen sich heute vor, dass die Anlagen u.a. zur zeitlichen Festlegung der Säh- und Erntezeiten, sowie bestimmter Festtage benutzt wurden. Ein Indiz dafür könnte auch sein, dass die beiden Hufeisenformen der bluestones und der Sarsensteine ungefähr in die Richtung des sommerlichen Sonnenaufgangs weisen.

Die absichtlich angelegten Schlitze in den oben erwähnten Gräbern sind ebenfalls nicht zu übersehen.

Sehr interessant in dem Zusammenhang sind  sensationelle bronzezeitliche Funde beim Ort Nebra (Sachsen-Anhalt, Kyffhäuserkreis), die von Raubgräbern in 1997/98 ausgegraben wurden und von der Polizei und den Denkmalschutzbehörden im März 2002 sicher gestellt wurden:

Es handelt sich dabei um verschiedene Waffen und Werkzeuge (um 1600 v. C.), die zusammen mit einer fantastischen Bronzescheibe in einer Steinkiste begraben lagen.

Der erste europäische Mondkalender: eine 2 kg schwere Scheibe aus Bronze, Durchmesser: 38 cm

Neben Sonne und Mond sind auf ihr die Plejaden (Siebengestirn) zu erkennen. Anders als heute befanden sich die Plejaden in der Zeit um 1600 v. Chr. im Frühlingspunkt. Das bedeutet, dass sie zu Frühlingsanfang unsichtbar waren (deckungsgleich mit der Sonne), und im Herbst am besten sichtbar waren. Sie eigneten sich damit zur ungefähren Bestimmung der Jahreszeit.

Darstellung des Fundes (Mondphasenkalender der Bronzezeitler):

http://www.landesmuseum-fuer-vorgeschichte-halle.de/sterne/index.htm

Nur ca. 25 km vom Fundort der Bronzescheibe entfernt stießen Archäologen in den 1990er Jahren durch die Möglichkeiten der Luftbildarchäologie auf einen weiteren sensationellen Fund: Eine kreisrunde Wallanlage mit einem Durchmesser von 75 m, die bereits vor rund 7000 Jahren entstanden sein soll (in der Nähe des heutigen Ortes Goseck in Sachsen Anhalt). Diese Anlage soll nach Aussagen der Archäologen als  Sonnenobservatorium gedient haben. Das deutet darauf hin, dass die Hersteller der Bronzescheibe von Nebra auf eine lange Tradition der Sonnenbeobachtung zurückblickten. Im Gegensatz zu anderen Kreisanlagen dieser Art,  die entweder 2 oder 4 Tore besaßen, hat das Gosecker "Observatorium" nur 3 Pforten. Von der Mitte des Kreises konnte durch das eine Tor der Sonnenaufgang und durch das nächste Tor der Sonnenuntergang zur Wintersonnenwende am 21. Dezember vor 7000 Jahren beobachtet werden. Die Wissenschaftler äußern, dass die Anlage das bisher älteste Sonnenobservatorium Europas ist. 

So stellen sich die Archäologen die fertige Anlage vor:

Von links oben fällt am Tag der Wintersonnenwende der Lichtstrahl durch das Tor

Superbilder von der Ausgrabungsstätte schenkte mir Markus Heitmann.

Herzlichen Dank!

Zuerst wollte ich nur 2 Bilder auf meiner Seite ausstellen, sie gefielen mir aber alle so gut, dass ich nun alle 4 zeige! 

Im Dezember 2005 zur Wintersonnenwende wurde der Nachbau eingeweiht! Hier die dpa-Meldung.

Diese Infos über Goseck bekam ich von Frank Weidemann aus Naumburg/Saale  www.frankweidemann.de ; Danke schön, Frank!

Noch weiteres zum Thema "Steinzeitbauwerke als Sternwarten":

Die englischen Steinkreise wurden sehr intensiv untersucht, was Auffälligkeiten zu Sonnenwendzeiten betrifft. Die englischen Forscher Thom und Glover bemerkten Steine, die nur zu den Tagen der Sonnenwenden bis zu 1,5 km lange Schatten werfen, regelrechte „Schattenwege“.

 

 

Angegeben sind immer die Sonnenaufgänge und die Sonnenuntergänge am Tag der Sommersonnenwende, bzw. der Wintersonnenwende. Oben der Heelstone, der Slaughterstone mit seinem Gegenüber und innen die vier Stationssteine

 

Wer mehr darüber erfahren möchte liest: Müller: "Der Himmel über den Menschen der Steinzeit", Berlin-Heidelberg-New York, 1970 oder Schlosser/Cierny: „Sterne und Steine - Eine praktische Astronomie der Vorzeit“, Stuttgart, 1997.

Interessant dazu auch diese Internetseiten über Prof. Gerald S. Hawkins:

 

http://witcombe.sbc.edu/earthmysteries/EMHawkins.html

 

http://www.earthfiles.com/earth251.htm

 

Komet Hale-Bopp über Stonehenge

 

 

 

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