Die Steine als Wohnstatt von Seelen?

Ich möchte auf eine weitere Theorie über das "Warum?" von Stonehenge zu sprechen kommen.

Wir alle sind begeistert von mächtigen Steinen. Ich möchte behaupten, dass dies der Grund ist, warum Sie diese Seite besuchen.

Große Steine üben auf uns Faszination aus. Es gibt in den meisten Kulturen den Glauben an heilkräftige Steine, an Geister, die in Steinen wohnen, an Menschen, die versteinert wurden. Märchen, Sagen, Bibeltexte, Geschichten. Für jedes Problem (körperlich wie seelisch) kann man heute den passenden Heil-Stein erwerben.

In den Kulturen, deren Vorfahren Megalithen aufrichteten gibt es eine Reihe von wiederkehrenden Sagenmotiven, z.B. die Steine:

  • seien verwandelte Menschen

  • besäßen Heilkräfte

  • bewirkten, dass der Blitz in Menschen einschlägt

  • können nicht gezählt werden

  • seien die Heimat von Feen, die dort Schätze versteckt hielten

  • brächten Fruchtbarkeit

Eine Erklärung für die Anlage der Megalith-Bauwerke wird in der schon an anderer Stelle erwähnten neolithischen Revolution (Übergang vom Nomadentum zu Sesshaftigkeit) gesehen. Nachdem der Mensch eine Million bis 600 000 Jahre lang Jäger und Sammler von Naturfrüchten war, begann er im Neolithikum, der Jungsteinzeit, sesshaft zu werden.

(Zur Information: 90% aller Menschen, die je gelebt haben, waren Nomaden, heutiger Anteil an der Weltbevölkerung beträgt 0,003% (Schätzung)! Ehrenberg, München,1995.)

Damit kam auch der Wunsch auf, die Toten reicher zu bestatten, auch den Toten ein "Heim" zu geben.

Die meisten Megalithbauten sind Gräber. Diese Gräber sind mühevoll zu errichten, wie wir gesehen haben, und so kann man davon ausgehen, dass die Erbauer mehr ins Jenseits hinein erhalten wollten, als die Gebeine oder die Asche ihrer Toten. Gustav Faber schreibt im Merian-Heft Bretagne (August 1982) die Steine seien Zitat: "....eine erste Manifestation des homo sapiens, steinerner Ausdruck seiner Sehnsucht nach Unsterblichkeit".

Es gibt Forscher, die die Theorie vertreten, die Form der Dolmen-Gräber stehe symbolisch für den Mutterleib, und der Tod wäre von den Megalithkulturen als eine Rückkehr dorthin angesehen worden.

Die Größe der Gräber zeigt, dass es sich auch gleichzeitig um Kultstätten gehandelt haben müsste.

Natürlich sind die Gräber auch so groß, weil sie immer schon für mehrere Personen, ganze Sippen genutzt wurden. Auch wurden sie oft von vielen aufeinanderfolgenden Generationen "belegt"

Der Glaube der Erbauer an eine Seele und an ein Weiterleben der Seele nach dem Tod liegt auf der Hand.

In manchen jüngeren Megalithgräbern ist im Verschlussstein ein rundes oder ovales Loch ausgeschnitten, damit die Seele des Verstorbenen mit der Außenwelt in Verbindung treten konnte.

 

 

Das Steinkammergrab in Zueschen/Nordhessen meiner Heimat

Das Grab stammt aus der frühen Bronzezeit, Foto: B. Licht

Auch wurden Grabbeigaben und Speisen durch die Seelenlöcher gereicht. Als Nachfolge dieses Glaubens kann man die "Seelenlöcher" in den Waliser Alpenhäusern (Schweiz) ansehen, die in den alten Bauernhäusern heute noch zu sehen sind. Starb ein Mensch, so wurde er eine Nacht lang vor das in die Holzwände geschnittene (normalerweise verschlossene) Loch gelegt, damit die Seele sich mit Gott vereinigen kann. Nur in dieser Nacht wurde die kleine Holzklappe geöffnet. Dieser Brauch wurde noch bis ins 19./20. Jahrhundert betrieben.

Interessant dabei ist: Auch im Wallis gibt es solche Steinkammergräber wie das in Nordhessen.

Es ist jedoch davon auszugehen, dass Stonehenge und die anderen Großbauwerke dieser Zeit nicht nur Grabstätten gewesen sind, obwohl man einige Gräber, z.B. in den Aubrey-Löchern gefunden hat. Was man jedoch annehmen kann ist, dass sie in Zusammenhang mit dem Totenkult standen.

Der Gedanke eines Weiterlebens nach dem Tod macht den Menschen erst zum Menschen. Wenn ich nicht weiß, dass unser Erdenleben zeitlich begrenzt ist, also nichts von meiner Sterblichkeit weiß, kümmere ich mich auch nicht um Tote.

Sie sind nun sicher der Auffassung, dass wir ganz weit entfernt sind vom vermuteten Totenkult der Jungsteinzeitler. Das folgende Bild zeigt Ihnen aber, dass das nicht stimmt. 

Dem Geheimnis der einzelnen Menhire nähert man sich auch oft von der magisch-religiösen Seite. Überall, wo es diese Steine in Europa gibt, glauben die Menschen auch heute noch an die Wunderwirkungen, die aus dem Stein kommen oder mit ihm verbunden sind. Zum einen sagen die Überlieferungen, dass die Steine derjenigen Fruchtbarkeit bringen, die ihn berührt. So heißen die Steine auch oft "Kindli-Steine".

Der Kindstein in Unterwiddersheim in der Wetterau, Foto: B. Licht

Von einigen Forschern werden die Menhire in Verbindung mit einer Mutter-Gottheit gesehen.

Der Steinkreis Avebury gilt in der Überlieferung als einer Erdgöttin gewidmet. Die Anhängerinnen des Göttinnenkults versammeln sich heute noch hier, um durch Meditation, Einheit mit der Natur zu finden:

Meditierende Frauen in Avebury

 

Hier sehen Sie Bilder der zwei verwendeten Steine einer Allee bei Avebury.

Die eine Form ist breit und dick, die andere groß und dünn. Die Steine stehen sich gegenüber, und die Forscher vermuten männliche und weibliche Symbole.

 

 

 

 

 

Hier die Allee: Die Stellen, an denen früher noch mehr Steine

standen, sind mit Betonpflöcken markiert. (Bild: H. Sauer)

Dazu ein Bild aus dem Kinderbuch „Das kleine Blau und das kleine Gelb“ von Leo Lionni.

Das kleine Blau mit seinen Eltern

Sie müssen raten, welche Form die weibliche und welche Form die männliche Natur symbolisiert. Wenn man Kinder zu dem Buch befragt, können sie sofort sagen, wer "Mama Blau" und wer "Papa Blau" ist!

 

Vielfach schreibt man den Steinen glückbringende Wirkung oder Heilwirkung zu. Wir denken an die Geschichte von dem "Tanz der Riesen - Stonehenge", der ja angeblich Heilwirkung hatte.

Menhire sind Jahrhunderte lang Wallfahrtsziele für Kranke gewesen. An vielen Megalithen, z.B. in Norddeutschland befinden sich näpfchenartige Vertiefungen, die absichtlich angebracht wurden. Eine Theorie dazu besagt, dass die so genannten Schälchensteine als heilkräftig angesehen wurden und dass Steinmasse abgeschabt wurde, um daraus Heilelixiere herzustellen.

 

Megalithgrab (ca. 3500 v. C.) in Bunsoh (Schleswig Holstein)

Deckenstein mit Schälchen

 

Auch nimmt man an, dass dem Steinbruch in Mynydd Prescelly in Wales, woher die bluestones von Stonehenge kommen, heil- und zauberkräftige Wirkungen anhaften, bzw. dass die Menschen das glaubten. Sonst ist es nicht zu erklären, dass die bluestones von dort geholt wurden, um sie ausgerechnet in Stonehenge aufzubauen. Man hätte ja auch jede andere Steinart nehmen können.

Ebenso vermuten die Forscher, dass das Gebiet um Stonehenge als heilig galt, sonst hätte man das Bauwerk Stonehenge II ja auch in Wales bauen können. Es wäre nicht nötig gewesen, die Steine zu transportieren. Die große Anzahl der Gräber und Anlagen rund um Stonehenge unterstützen diese Theorie.

 

Eine Forschung, die damit im Zusammenhang steht, stammt von Marko Pogacnik. Er schreibt in seinem Buch "Die Landschaft der Göttin - Heilungsprojekte in bedrohten Regionen Europas", München, 1993, dass er die Erde als eine Art Körper ansieht, die, wie der menschliche Körper, von Chakrensystemen und Energielinien (Leylines) durchzogen ist. Die Megalith-Kreise in Großbritannien und Irland nimmt er als eine Art "Lithopunktur" an, verwandt der Akupunktur beim Menschen.

Seine Lebensaufgabe sieht er darin, die Erkenntnisse der Erbauer der Steinkreise zu erforschen und die in Jahrtausenden zerstörte Harmonien in den Stein-Anlagen neu zu beleben, um die Erde an diesen Stellen wieder zu heilen.

 

Seite Erdheilungsprojekte:

 

Geomantie

 

Die Idee, dass die Erde von Energielinien durchzogen ist und dass die Völker der Steinzeit ihre Bauten an wichtigen Energiepunkten errichteten ist aber schon älter. Der Forscher Paul Devereux untersuchte Hunderte von Megalithbauwerken und veröffentlichte eine Reihe Bücher über seine Arbeiten

 

Der "Straight Track Club", eine Gesellschaft zur

Erforschung der Leylines, besucht Stonehenge um 1930

 

Earth Mystery Seite

 

Leyhunter Seite

 

Vielfach gibt es die alten Mythen über die Steine, dass in ihnen etwas Lebendiges gefangen sei.

Z. B. entdeckte man in einigen Gräbern der Megalithkultur einen einzeln stehenden Stein. Der Archäologe Sir Arthur Evans, der sich mit der kretischen Kultur befasst hat, vermutet, dass die griechischen Grabsäulen/-steine ehemals in den Gräbern gestanden haben und erst später aus dem Grab entfernt wurden, um sie, wie wir das auch kennen, auf dem Grab aufzubauen. Sie standen vermutlich nur eine Zeit im Grab, um die Geister der Toten in sich aufzunehmen, die dann fürderhin in dem Stein wohnten. (Stichwort Akku!)

Viele Volksmythen, die sich um Steinkreise in Britannien ranken, bringen das Gefühl des Unerklärlichen, welches uns beim Anblick von Stonehenge überwältigt, zum Ausdruck. So gibt es zum einen die Sage von Stonehenge, die Steine ließen sich nicht zählen, so sehr der Zähler sich auch bemüht. Und das spätere Christentum leistete seinen Beitrag mit den Legenden, dass es sich bei den Megalithen (nicht nur den Steinen von Stonehenge, sondern auch Carnac) um die Gefängnisse der Seelen von Sündern oder versteinerte Krieger handelt.

 

Was noch für die Theorie spricht, dass Stonehenge etwas mit einem Totenkult oder dem Glauben an Steine als Wohnstatt von Seelen, dem Glauben an magische Steine zu tun hat, ist die Geschichte des Volkes der Khasi in Nordindien.

Die Khasi richteten noch bis in die jüngste Zeit Megalithen auf, deswegen kann man sie fragen, warum sie es taten.

Hier einige Bilder:

Die "Khasi" in Meghalaya (ein zu Indien gehörender Landstrich im Himalaja nördlich von Bagladesh) leben noch in einer matriarchalen Gesellschaftsstruktur, d.h. eine familienälteste Frau ist die Anführerin über die ganze Familie. Männer ziehen nach ihrer Heirat in das Haus ihrer Frauen und Schwiegermütter. Die Khasi verehren eine Muttergöttin.

Neben langen, hohen Monolithen errichteten die Khasi auch Dolmen aus je vier kleineren Tragesteinen mit einer großen Felsplatte darüber. Die Orte der "Megalith-Haine" gelten als heilig. Unter den Dolmen wurde früher die Asche der jeweiligen Ahnherrin, der Sippenmutter bestattet. Jede Steingruppe symbolisierte einen Clan. Die flachen großen Deckensteine standen für die Mutter, die kleineren, stützenden Steine für die Brüder und die Neffen der Ahnherrin.

Die Steine wurden aber auch, je nach Jahreszeit, als Marktstände, Gedenksteine oder Altäre genutzt. Handel treiben, Feste feiern und auch auf Altären Opfer bringen: All diese Funktionen erfüllten die Steine.

Eine Sage der Khasi erzählt: In früheren Zeiten wurde bei den Steinen jährlich ein Menschenopfer vorgenommen. Ein Mann wurde geköpft, um damit der Ahnin und der Sippe ein glückliches Überleben zu sichern.

Als Abschluss zu diesem Thema ein Zitat aus Ivar Lissners Buch "Rätselhafte Kulturen" (S.77):

Wer die Menhire von Carnac und Locmariaquer gesehen hat, diese Heere stummer Wohnungen menschlicher Seelen, den packt ein Gedanke mit unausweichlicher Macht: Die Menschen der Megalithkulturen, die vor 4000 bis 5000 Jahren diese "Seelensteine" errichteten, besaßen einen Glauben, der wirklich "Berge versetzte".

 

 

Die langen Reihen der mehr als 4000 Steine in Carnac/Bretagne

 

 

zwei Bilder der Steine von Carnac

 

 

 

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