Kleine Geschichte der Osterinsel:

 

380 - 1100

Erste Kulturepoche nach Heyerdahl

380 n. Chr. : (Alter von Feuerholzresten aus dem Poike-Graben nach Radiocarbon-Messungen) Besiedlung durch polynesische Seefahrer unter König Hotu Matua (nach Theorie von Heyerdahl durch peruanische Seefahrer/Tiahuanaco-Kultur), das Volk der "Langohren"

 

500 - 900 Besiedlung der Insel durch das Volk der "Kurzohren" aus dem Westen von Polynesien her

 

700 Errichtung der Ahus begann . Ahus = große Steinplattformen, auf die später die Steinfiguren gestellt wurden

 

1000- 1680

Entstehung der Moai. Moai = große Steinstatuen

"klassische" Periode der Kunst . Zweite Kulturepoche nach Heyerdahl

 

um 1680

 

Die "Langohren" wurden von den "Kurzohren" besiegt und fast vollständig vernichtet, Schlacht am Poike-Graben, Krieg der Stämme, Kannibalismus, Umstürzen der Moai begann
1680- 1868 Dritte Kulturepoche nach Heyerdahl

 

 6. April 1722

Am Ostersonntagnachmittag kamen der Holländer Roggeveen + Mannschaft als erste (bekannte) Europäer auf die Insel, daher der Name "Osterinsel".

Roggeveen beschreibt die Bewohner: hochgewachsene hellhäutige Polynesier, doch einige waren auch von dunklerer Hautfarbe oder rothäutig "wie von der Sonne verbrannt". Viele Männer trugen Bärte.

Schätzungen über die Bewohnerzahl der Insel: 6000 und 10000 Leute

Ein einzelner weißhäutiger Mann schien ein geistiger Führer des Volkes zu sein. Er trug eine Federkrone auf seinem kahlrasierten Kopf; in seinen Ohren steckten runde weiße Pflöcke in Faustgröße. Seine Ohrläppchen waren so ausgedehnt, dass sie ihm gegen die Schultern schlugen. Eine ganze Reihe der Insulaner erschienen in derselben Mode. Diese Ohrläppchensitte schlägt sich auch in der Erscheinung vieler Steinstatuen nieder.

Frauen waren wenige zu sehen, dafür zeigten sich die anwesenden Frauen als sexuell sehr zugänglich für die Holländer.

Die Bewohner waren zumeist nackt, und ihre Körper waren über und über mit Tätowierungen überzogen. Einige trugen rote und gelbe Rindenumhänge, Federkronen oder geflochtene Hüte.

Die Behausungen der Bewohner waren langgestreckte niedrige Hütten aus Flechtwerk ohne Fenster, die Einrichtung bestand aus geflochtenen Matten und Steinen als "Kopfkissen". Die Werkzeuge der Leute waren aus Stein, Waffen gab es nicht. Die Ernährung bestand aus angebauten Bananen, Zuckerrohr und Süßkartoffeln. Die einzigen Haustiere stellten Hühner dar. Die Mahlzeiten wurden - wie in der Steinzeit - in Erdöfen zwischen glühenden Steinen zubereitet.

Vorgefundene Kanus und Boote erschienen den Holländern nicht seetüchtig, so war es ein großes Rätsel, wie die Bewohner auf diese weit von jedem Festland entfernte Insel gekommen sein konnten.

Vielleicht um die europäischen Gäste zu begrüßen, entzündeten die Osterinselbewohner vor den großen Steinfiguren Hunderte von Feuern und vollzogen die ganze Nacht hindurch Anbetungsrituale vor den Figuren unter dem Sternenzelt.

In den Aufzeichnungen der Holländer kommt das Erstaunen über die gigantischen Statuen zum Ausdruck: Wie wurden sie hergestellt und vor allem wie aufgerichtet, da die Bewohner weder über Baumstämme noch über Taue verfügten?

Die Holländer erklärten sich die Steinstatuen so: Die Figuren seien nicht aus Stein, sondern aus Lehm geformt, in den später Steine hineingedrückt wurden.

 

1722- 1868 Entstehung der "Rongo-Rongo"-Tafeln = Schriftzeichentafeln aus Holz, deren Bedeutung noch nicht aufgeklärt ist

 

1770

Zwei spanische Schiffe unter der Anführung des Kapitäns Don Felipe Gonzales besuchten die Insel.

Die Spanier beschrieben die Bevölkerung wie folgt: hochgewachsene Personen, die Männer alle um etwa 1,90 m groß. In ihrer Erscheinung ähnelten sie eher Europäern als Südseebewohnern, zumal sie oft hellhäutig und rothaarig waren.

                

Wieder waren wenige Frauen und keine Kinder anwesend. Die Frauen zeigten sich wie bei den Holländern sehr offen, was die Sexualität betrifft.

Die Spanier waren sehr angetan von der herzlichen und freundlichen Aufnahme durch die anwesenden Insulaner.

Die Besucher kamen zu der Überzeugung (die sich als richtig herausstellte), dass die restlichen Bewohner der Insel in unterirdischen Höhlen wohnen mussten.

Die Spanier errichteten Kreuze auf der Insel, ließen einen federgeschmückten Herren durch seltsame Bilder- und Figurenmalereien einen Vertrag unterzeichnen, dessen Inhalt war, dass die Insel nun zu Spanien gehört.

Der neue Name: San-Carlos-Insel nach dem damaligen spanischen König.

Die Steinriesen gaben auch den Spaniern Rätsel auf: Sie untersuchten sie und kamen zu der Erkenntnis, dass sie tatsächlich aus Steinen gehauen sind. In ihren Aufzeichnungen erwähnen sie, dass die Aufrichtung der Statuen rätselhaft ist, da es keine Baumstämme auf der Insel gibt.

Eine Vermutung der Spanier: die Steinriesen sind gar nicht auf der Insel hergestellt worden.

 

1772- 1774 Hotu-iti-Krieg (nach Englert)

 

1774

Es kamen Engländer unter der Führung von Kapitän Cook auf die Insel.

Sie beschrieben die Bevölkerung: wenige kleine, mürrische Männer, die irgendwie apathisch wirkten. Cooks Begleiter schreiben, dass seit dem Besuch der Spanier ein Unglück, eine Seuche das Inselvolk ereilt haben müsste und dass die Bevölkerung am Aussterben sei.

Auch Cook vermutet, dass sich mehr Insulaner in unterirdischen Verstecken befinden.

Cook untersuchte die Steinfiguren und kam zu folgenden Aussagen:

die Figuren seien nicht von der vorgefundenen Bevölkerung gebaut worden, sondern von einem Volk, das lange vorher die Insel bewohnte. Das schloss Cook aus der Tatsache, dass viele Statuen gekippt waren, bzw. viele Fundamente zerstört waren (vielleicht sogar mit Absicht?), ohne dass die jetzigen Bewohner an eine Reparatur dachten.

Cook bewunderte die exakte Bearbeitung der Steine und konnte sich - wie alle Inselbesucher vor und nach ihm - nicht erklären, wie die Statuen hergestellt und aufgerichtet wurden. Die Technik bleibt rätselhaft.

Die Cook-Crew hatte einen Übersetzer dabei, der Brocken der Sprache der Osterinselbesucher verstehen konnte. So erfuhren die Engländer über die Steine:

Sie sind keine Götterbilder sondern Gedenksteine für verstorbene (Gott-) Könige, so genannte Arikis. Skelettreste nahe der Statuen bezeugten, dass bis in Cooks Zeiten dort noch Bestattungen vorgenommen wurden.

Die Inselbewohner glaubten offensichtlich an ein Leben nach dem Tod; sie erklärten dem Übersetzer, sie glaubten daran, dass die körperliche Hülle auf der Erde zurückbliebe, der Geist/die Seele aber sich beim Tod mit dem Himmel und den Sternen vereinige.

Die Engländer blieben nur kurz auf der Insel, frischten ihre Wasser- und Lebensmittelvorräte auf und zogen weiter.

 

1786

Franzosen unter Führung des Kapitäns La Pérouse erschienen auf der Insel. Die Bevölkerung beschrieben sie wie folgt:

Ein paar Tausend Menschen aller Alterstufen hießen die Franzosen Willkommen. Die Besucher wurden sehr freundlich von den erstaunlich hellhäutigen, europäisch aussehenden Insulanern aufgenommen. Die Franzosen wurden in die unterirdischen Höhlenverstecke geführt und bewirtet.

La Pérouse hinterließ den Insulanern Schweine, Ziegen und Schafe sowie Saatgut für verschiedene Kulturpflanzen, doch die Osterinselbewohner konnten damit nichts anfangen, aßen die Gaben auf und blieben bei ihren Süßkartoffeln und Hühnern.

 

1808

Ein amerikanisches Schiff kam auf der Suche nach Sklavenarbeitern für eine Robbenfangstation auf die Insel. 22 Insulaner, Männer wie Frauen wurden gefangen und mitgeschleppt. Als die Gefangenen nach 3 Tagen Fahrt über Bord sprangen, kehrte das Sklavenschiff zurück auf die Insel und machte neue Gefangene.

Das veranlasste die Inselbevölkerung dazu, weitere Besucher bewaffnet mit Steinschleudern zu empfangen und erfolgreich abzuwehren.

Da spätere Besucherschiffe sich friedlich verhielten, fassten die Osterinselbewohner wieder Zutrauen und gaben ihre Bewaffnung auf.

 

1850 4500 Bewohner lebten auf der Insel

 

1862

Eine Flottille von sieben peruanischen Seglern traf auf der Insel ein. Es handelte sich um Sklavenjäger, die Arbeiter für die Guanoinseln suchten. Diese Gruppe richtete ein Massaker unter den Bewohnern der Insel an. Wer nicht weggeschleppt wurde, den erschoss man.

Ab diesem Zeitpunkt kamen mehr und mehr Sklavenschiffe auf die Osterinsel, und ein Großteil der Bevölkerung wurde mitgeschleift oder umgebracht. Die verbleibenden Bewohner starben an den eingeschleppten Pocken, so dass nur noch etwas über hundert Ureinwohner auf der Osterinsel übrig blieben.

 

1864- 1868

Missionar Eugene Eyrand (frz.) begann ab 1864 mit der die Christianisierung, die meisten "Rongo-Rongo"-Tafeln wurden durch fanatische Priester vernichtet, der so genannt Vogelmenschenkult der Einwohner endete.

Als der Bischof von Tahiti in 1868 "Rongo-Rongo"-Tafeln zum Geschenk erhielt, fanden die Tafeln erstmalig positive Beachtung

 

1876 Die einheimische Bevölkerung bestand nur noch aus 53 Männern, 26 Frauen, 31 Kindern
1886

Der Amerikaner Paymaster Thomson besuchte die Inseln und machte Aufzeichnungen über die Legenden der Bewohner. Damals lebten noch einige, wenige alte Bewohner dort, die sich noch an alte Sagen und Geschichten erinnern konnten: Ihre Vorväter seien auf gewaltigen Schiffen von Osten her über das Meer gekommen, 60 Tage hätte die Fahrt gedauert.

Ursprünglich hätten zwei Stämme auf der Insel gelebt, die Langohren und die Kurzohren, doch in einem Krieg seien die Langohren fast ausgerottet worden.

 

1888

Tod des letzten Königs der Einheimischen, Annexion der Osterinsel durch Chile

Heute, nach der Christianisierung der Insel durch den französischen Missionar, gehört die Insel politisch zu Chile. Es gibt einen Priester, einen Arzt und einen "Gouverneur" auf der Insel. Die Zivilisation hat die einheimische Kultur weitgehend verdrängt.

 

1914

Eine archäologische Privatexpedition der Britin Catherine Routledge auf die Osterinsel fand statt. Routledge erstellte Kartenmaterial über die Fundplätze, Terrassen, alte Wege und mehr als 400 Statuen. Systematische Grabungen führte sie nicht durch.

In diese Zeit fielen auch der Tod des "letzten Weisen" und die Ivi-Atua-Bewegung = die Prophetin Angata versuchte das alte Priestertum wieder zubeleben

 

1934

Eine französisch-belgische Expedition unter Alfred Metreaux und Henri Lavachery besuchte die Insel. Die Archäologen trugen mündliche Überlieferungen der Bewohner zusammen und untersuchten die Tausende von Felszeichnungen, die auf der Insel zu finden sind. Grabungen fanden nicht statt.

 

1955

Kultperson Thor Heyerdahl unternahm eine einjährige, archäologische Expedition auf die Osterinsel und führte die ersten umfangreichen Grabungen durch.

Im Buch "Aku - Aku" beschreibt er die Expedition.

 

1960 Aufrichtung des Moai vom Ahu Akivi

 

1965 Einwohnerzahl ca. 1000 Personen

 

1967 Eröffnung des internationalen Flughafens bei Hanga Roa

 

1975 Aufrichtung der Moai in der Anakena-Bucht

 

1987 Weitere Expedition von Thor Heyerdahl

 

1988 Ca. 1900 Einwohner und 2700 Besucher in diesem Jahr

 

1994 Aufrichtung der Moai vom Ahu Tongariki

 

2001 Ca. 50000 Touristen besuchen die Insel seit einigen Jahren pro Jahr, die Tendenz ist steigend.
 

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